“Wenn Bindung zur Falle wird”

  • Das sogenannte Stockholm-Syndrom beschreibt ein psychologisches Phänomen, bei dem Menschen eine emotionale Bindung zu Personen entwickeln, die ihnen schaden, sie kontrollieren oder missbrauchen.
  • Mein Name ist Jakob Diener, ich bin freiberuflicher Redakteur und Journalist.

Der Begriff entstand nach einem Banküberfall im Jahr 1973 in Stockholm, bei dem Geiseln nach Tagen der Gefangenschaft Sympathie und Loyalität gegenüber ihren Entführern entwickelten und diese sogar vor der Polizei verteidigten.

  • Was zunächst absurd klingt, ist in Wahrheit ein Überlebensmechanismus der Psyche.
  • In extremen Stresssituationen sucht der Mensch Halt, Sicherheit und Orientierung – selbst dann, wenn diese vermeintliche Sicherheit von genau der Person ausgeht, die Leid verursacht.

“Wie das Stockholm-Syndrom entsteht”

  • Das Stockholm-Syndrom entwickelt sich nicht plötzlich, sondern schleichend.
  • Es entsteht dort, wo Abhängigkeit, Angst, emotionale Einengung und das Gefühl von Ausweglosigkeit zusammentreffen.

Wenn ein Mensch über lange Zeit psychisch unter Druck steht, beginnt das Gehirn, bedrohliche Situationen umzudeuten, um sie erträglicher zu machen.

  • Kleine Gesten der Freundlichkeit oder scheinbare Fürsorge des Täters werden überbewertet, während Gewalt, Kontrolle oder Demütigung relativiert oder entschuldigt werden.
  • Die betroffene Person beginnt zu glauben, dass sie ohne den anderen nicht überleben kann, dass sie selbst schuld ist oder dass das Verhalten des Gegenübers „gar nicht so schlimm“ sei.

“Psychische Einengung in Familien und Partnerschaften”

  • Gerade in Familien, Partnerschaften oder Ehen ist dieses Muster heute erschreckend häufig zu beobachten.
  • Menschen werden emotional isoliert, kontrolliert, klein gehalten und ihrer Selbstständigkeit beraubt.
  • Der Lebensgefährte oder Ehemann bestimmt, wie gedacht, gefühlt oder gehandelt werden darf.

Kritik wird als Angriff gewertet, eigene Bedürfnisse gelten als Egoismus.

  • Die psychische Belastung wächst stetig, doch nach außen wird das Bild einer funktionierenden Beziehung aufrechterhalten.
  • Die Betroffenen verteidigen ihre Situation oft vehement, weil das Eingeständnis der Wahrheit einen kompletten inneren Zusammenbruch bedeuten würde.

“Wenn Kinder einander seelisch zerstören”

  • Besonders erschütternd wird es, wenn solche Dynamiken unter Kindern entstehen.
  • Psychische Gewalt unter Geschwistern oder innerhalb familiärer Strukturen wird häufig verharmlost oder ignoriert.

Kinder lernen früh, dass Anpassung überlebenswichtig ist.

  • Sie übernehmen Schuldgefühle, entwickeln Angststörungen, verlieren ihr Selbstwertgefühl und wachsen mit der Überzeugung auf, Liebe müsse weh tun.
  • Auch hier greift das Stockholm-Syndrom, weil Nähe und Verletzung untrennbar miteinander verknüpft werden.

“Eigene Erfahrungen mit Verdrängung und Abhängigkeit!”

  • Ich habe es selbst im engen Freundes- und Bekanntenkreis erlebt, bei einer Person, die ich längst zur Familie gezählt habe.
  • Über Jahre hinweg habe ich versucht zu helfen, die Hand zu reichen.
  • Doch diese Person konnte oder wollte nicht erkennen, dass sie emotional missbraucht wird.

Jede Kritik am familiären Umfeld wurde abgewehrt, jede Warnung relativiert.

  • Die Parallelen zum Stockholm-Syndrom waren offensichtlich, doch Einsicht lässt sich nicht erzwingen.
  • Irgendwann ist auch bei den stärksten Helfenden die Kraft aufgebraucht.
  • Dann kommt der Punkt, an dem man loslassen muss, um sich selbst nicht zu verlieren.

“Körperliche Grenzen nach schwerem Unfall”

  • Meine eigene Belastungsgrenze wurde nicht nur seelisch, sondern auch körperlich erreicht.

Im Jahr 2019 erlitt ich einen schweren Arbeitsunfall, bei dem beide Knie massiv geschädigt wurden.

  • Bewegung, Mobilität und Selbstständigkeit waren plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr.
  • Der Körper, der zuvor getragen hatte, wurde selbst zur Last.
  • Solche Verletzungen wirken nicht nur auf Muskeln und Gelenke, sondern auch auf die Psyche.
  • Chronische Schmerzen verändern den Menschen, sie zermürben, rauben Energie und Lebensfreude.

“Der Herzinfarkt – ein massiver Eingriff ins Leben”

  • Ende Februar 2020 folgten zwei schwere Herzinfarkte.
  • Ein Herzinfarkt entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen wird und der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
  • Innerhalb kürzester Zeit beginnt das Herzgewebe abzusterben.
  • Die Folgen sind nicht nur akut lebensbedrohlich, sondern auch langfristig gravierend.
  • Die Leistungsfähigkeit sinkt, das Vertrauen in den eigenen Körper geht verloren, und jede Belastung wird zur potenziellen Gefahr.
  • Ein Herzinfarkt ist kein einzelnes Ereignis, sondern ein Einschnitt, der das gesamte Leben neu definiert.

“Herzinsuffizienz – wenn das Herz nicht mehr kann”

  • Zusätzlich wurde bei mir eine Herzinsuffizienz diagnostiziert. Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen.
  • Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die sich schleichend verschlechtert.
  • Symptome sind Atemnot, schnelle Erschöpfung, Wassereinlagerungen, Schlafprobleme und massive Einschränkungen im Alltag.
  • Auf zellulärer Ebene bedeutet Herzinsuffizienz, dass Organe dauerhaft unterversorgt sind.
  • Der Körper befindet sich im ständigen Alarmzustand, was wiederum die Psyche enorm belastet.
  • Jeder Tag wird zu einem Balanceakt zwischen Schonung und dem Wunsch nach Normalität.

“Wenn Helfen zur Selbstaufgabe wird!”

  • Trotz all dieser Einschränkungen habe ich anderen immer wieder Hilfe angeboten, sogar das Versprechen, Unterstützung zu geben, sobald ich wieder eine eigene Wohnung habe.
  • Doch irgendwann ist die Luft raus.

Wer selbst ums Überleben kämpft, kann nicht dauerhaft die Last anderer tragen, vor allem dann nicht, wenn diese Hilfe konsequent abgelehnt oder verleugnet wird.

  • Das ist kein Versagen, sondern Selbstschutz.
  • Warum dieses Thema heute so wichtig ist

“Das Stockholm-Syndrom ist kein Randphänomen.”

  • Es ist ein Spiegel unserer Zeit, in dem emotionale Abhängigkeiten, psychische Gewalt und familiäre Verstrickungen oft unsichtbar bleiben.
  • Aufklärung ist entscheidend, weil Erkenntnis der erste Schritt zur Befreiung ist.
  • Wer versteht, was mit ihm geschieht, kann beginnen, sich zu lösen.
  • Nicht jeder wird diesen Schritt gehen, aber jeder hat das Recht auf Wahrheit.

“Schlussgedanken zwischen Schmerz und Klarheit!”

  • Manchmal besteht Stärke nicht darin, zu bleiben und zu kämpfen, sondern darin, loszulassen.
  • Das Stockholm-Syndrom zeigt, wie mächtig die Psyche ist, aber auch, wie zerstörerisch falsche Bindungen sein können.
  • Wer selbst schwer gezeichnet ist, körperlich wie seelisch, darf Nein sagen.
  • Darf aufhören.
  • Darf sich selbst an erste Stelle setzen.

Und genau darin liegt kein Egoismus, sondern Überleben.

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